Der Fuchs und die kleine Fee, Kapitel 6 – Die Wesenheiten

Von nun an geht die Fee jeden Tag in den Wald und lässt sich die Geschichten der Waldwesen erzählen. Die alte Linde erzählt ihr, dass sie durch ihre Wurzeln mit der Erde verbunden ist, der Wipfel sich seine Kraft aus dem großen Ganzen holt und sich so alles in ihrer Mitte vereint. Von einem Kiefernstamm lernt sie, wie es sich anfühlt an die Stelle eines anderen Lebewesens zu treten und dabei dessen Empfindungen zu spüren.  Die Felsen schließlich lehren sie, dass die Zeit ein relativer Begriff ist, denn die Felsen waren schon immer da und sind deshalb Anfang, Mitte und Ende zugleich. So kommt sie zur Ruhe und beginnt zu verstehen, dass das Leben mehr ist als ihr persönliches Schicksal.

Esoterik und altbewährte spirituelle Techniken

Der Weg der kleinen Fee aus ihrem Unglück heraus führt unweigerlich zu den altbewährten spirituellen Techniken, die in unserer Zeit sehr zu Unrecht als „Esoterik“ in Verruf geraten sind. Was wir heute unter den Begriffen „Familienaufstellungen“, „Visionssuchen“, „Neurolinguistisches Programmieren“, „Visualisierung“, „Meditation“  oder auch „Therapien“ kennen, waren zu Zeiten, als es keine Wissenschaften gab, völlig normale Möglichkeiten, in Krisensituationen durch die Vertiefung in die innere Welt Lösungen zu finden. In der Euphorie über die menschlichen Möglichkeiten (nicht nur) die Natur zu beherrschen, sind sie über viele Jahrhunderte immer weiter zurückgedrängt und mehr und mehr sogar gesellschaftlich geächtet worden. Die vermeintlich rationale Denkweise, die alles von Außen betrachtet, wurde schließlich zum Ideal erhoben, die die Gefühle, die innere Welt, völlig beherrschen sollten. Dass unsere Gefühle ein wichtiges  gesellschaftliches Korrektiv sind, wurde in diesem Zusammenhang lange nicht mehr gesehen. Die zwei Weltkriege waren im 20. Jahrhundert bisheriger trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung. Das Naziregime mit seiner unfassbaren Grausamkeit und der unbändigen Hybris der kriegerischen Menschen machte der Spezies Mensch dies sehr drastisch bewusst. Die New Age Bewegung Ende des 20. Jahrhunderts hat seitdem wieder vieles in Gang gebracht und auch die Wissenschaft in eine neue Richtung gelenkt. Die Gefühle zu erforschen, den inneren Reichtum, den sie uns schenken neu zu entdecken, ist zumindest wieder salonfähig.

Ich bin nicht alleine auf der Welt

Der Weg den die kleine Fee geht, entspricht der Heldenreise, wie wir sie aus vielen Sagen und Mythen kennen. Ziel der Reise ist neben der Erfüllung vieler ehrenvoller Aufgaben immer auch die innere Reifung und Heilung des Helden oder der Heldin. Ganz egal ob ein Mensch diese Reise als Opfer oder als Täter beginnt, stellt sich sehr schnell heraus, dass das ganze Unglück, das wir erleben, von unserer kindlichen Angst gesteuert wird, allein zu sein und allein nicht bestehen zu können. Alle schädlichen Verhaltensweisen lassen sich letztendlich auf diese Angst reduzieren. Die Heldenreise der Fee, des typischen Opfers beinhaltet dabei die Erkenntnis, dass es viele freundliche Wesen gibt, die ihr helfen, dass sie eben nicht alleine ist auf der Welt. Die typische Heldenreise der Täter werden wir später mit dem Fuchs erleben. Seine Variante heißt ebenfalls „ich bin nicht alleine auf der Welt, d.h. ich muss auch nicht sterben, wenn sich nicht alles um mich dreht“.