Der Fuchs und die kleine Fee, Kapitel 8 – Der kleine Fuchs

Aus der kleinen Fee ist mittlerweile eine große Fee geworden. Sie hat von jedem Lebewesen, dem sie begegnet ist, ein Stück Weisheit mitgenommen. Von den Gräsern hat sie gelernt biegsam zu sein, ohne sich verbiegen zu lassen, die Vögel haben sie gelehrt, was Weite ist und doch immer ein Nest zu haben, die Ameisen haben ihr gezeigt, wie man unbeirrbar seinen Weg geht. Und immer gab es dabei einen Anfang, eine Mitte und ein Ende, das zugleich wieder der Anfang war. Der große Schmerz um den Verlust ihres Freundes ist einem größeren Verständnis gewichen, auch wenn die Sehnsucht nach ihm noch immer gegenwärtig ist.

Auf ihrer Lichtung im Wald trifft sie dann einen anderen Fuchs. Einen ganz jungen Fuchs, der aber doch nicht ist wie die anderen Füchse, denn unverkennbar trägt er ein Zauberkleid. Damit fühlt er sich unter den Füchsen fehl am Platz, glaubt, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung sei, weil er weder mit den anderen Füchsen balgen, noch andere Tiere töten will. Die Fee tröstet ihn, und erzählt ihm, dass es ihr als Kind ähnlich ergangen sei. Sie entdecken, dass sie beide das Lied des Waldes hören können, unzweifelhaft ein Zeichen dafür, dass sie beide Zauberwesen sind. Der kleine Fuchs ist sehr nachdenklich, denn irgendwie regt sich in ihm die Hoffnung, dass es vielleicht eine Erklärung dafür gibt, dass er so anders ist als die anderen Füchse.

Er erinnert sich an den alten Fuchs, von dem die anderen erzählen, dass er sich mit der „Feenkrankheit“ angesteckt habe. Abends sucht er ihn auf, erzählt ihm von seiner Begegnung mit der Fee und fragt ihn, ob ein Fuchs auch ein Zauberwesen sein könne. Der große Fuchs kann seine Fragen nicht beantworten, erkennt aber, dass nun die Zeit gekommen ist, sich auf die Suche nach den Antworten zu machen.

Die eigenen Talente und Fähigkeiten erkennen und schätzen lernen

Im kleinen Fuchs begegnet die nun schon erwachsene Fee noch einmal ihrem eigenen Kindheits-Ich. Ausgegrenzt zu werden, weil man anders ist, versuchen so zu sein wie die anderen, um dazuzugehören, sich zu verbiegen, um möglichst nicht aufzufallen sind die Bewältigungsstrategien, die Heilerkinder in einer Kriegergesellschaft sehr schnell lernen. Auch die Schuld bei sich selber zu suchen, und die Vorteile der eigenen Wesenszüge nicht erkennen zu können, weil man dafür nie eine positive Bestärkung erfährt, gehört zu ihrem Schicksal. Die Fee gibt ihrem kleine Freund zwei wichtige Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben weiter. Zum einen, dass sie sich in der Stadt immer fremd gefühlt und erst im Wald ihre wahre Heimat gefunden habe. Zum anderen, dass Zauberwesen Fähigkeiten hätten, die andere nicht haben. Der kleine Fuchs erfährt damit zum ersten Mal, dass seine vermeintlichen Schwächen auch als Stärken gesehen werden können. Die Fee wiederum bekräftigt durch die Weitergabe der Lösungen, die sie für sich gefunden hat, ihre Sicht der Dinge und verbreitet sie damit in der Gesellschaft.

Impulse für eine neue Entwicklung

Dass wir in unserer Gesellschaft in einer Umbruchphase stecken, dürfte den meisten Menschen bewusst sein. Sich dabei von den alten Sichtweisen zu lösen, bedeutet natürlich auch, dass Konventionen sich verändern müssen. Was in einer Gesellschaft, die auf Krieg und Eroberung ausgerichtet war, als gut und richtig gesehen wurde, kann in einer Friedensgesellschaft nicht mehr gelten. Wenn man sich ansieht, was sich in der westlichen Gesellschaft in den letzten 100 Jahren verändert hat, erkennt man ganz deutlich den Trend. Männer sind heute ganz selbstverständlich bei der Geburt ihrer Kinder dabei und helfen im Haushalt, was noch für ihre Väter völlig undenkbar gewesen wäre. Frauen erobern sich die Arbeitswelt, gründen Firmen, sind Vollzeit berufstätig und tragen damit dazu bei, dass auch die Arbeitswelt sich verändert. Männer dürfen Männer lieben, Frauen dürfen Frauen lieben, Trennungen sind kein gesellschaftlicher Ächtungsgrund mehr…. Dazu gehört auch, dass die Schizophrenie der Kriegsgesellschaft, die das Töten im Gefecht nicht nur erlaubt, sondern sogar einfordert, das Töten im zivilen Bereich aber unter Strafe stellt, langsam erkannt wird. Viele ethische Normen verändern sich. Und auch wenn die Heiler sich vielleicht ein bißchen eher auf dem Weg gemacht haben, so ziehen doch die Krieger nach. Auch sie müssen sich den veränderten Umständen anpassen und sich auf die Suche nach anderen Antworten machen.