Der Fuchs und die kleine Fee, Kapitel 3 – Die Gefährten

Im dritten Kapitel ist die Bühne für die beiden Antagonisten vorbereitet. Die kleine Fee, in ihrem Glück wieder zuhause zu sein, strahlt wieder wie als Kind die unschuldige Offenheit aus, die sie für alle Lebewesen unwiderstehlich macht. Und weil sie am liebsten die ganze Welt an ihrem Glück teilhaben lassen möchte, beschließt sie, auch den Fuchs miteinzubeziehen. In ihrer Vorstellung muss jemand, der so mißtrauisch ist, unglücklich sein. Und alles, was er vermutlich braucht, ist jemand der sich um ihn kümmert. Sie stellt ein Stück Kuchen ins Fenster, und hofft, dass der Duft ihn zu ihrem Haus zieht. Ihr Plan geht auf, denn der Fuchs, der sich ihrer Ausstrahlung nicht entziehen kann, geht immer wieder in der Nähe ihres Hauses zum Jagen. Ehrerbietig lädt die kleine Fee ihn ein, bei ihr zu sitzen und zu essen. Der Fuchs, der auf keinen Fall zugeben möchte, dass er selber Interesse an der kleinen Fee hat, sieht die Möglichkeit, sein Gesicht zu wahren. Gnädig nimmt er ihr Angebot an. Von nun an kommt er immer öfter vorbei, und die beiden finden großen Gefallen aneinander. Als der Fuchs eines Tages bemerkt, dass er eine wunderschöne Melodie hören kann, wenn er auf dem Schoß der kleinen Fee liegt, ist die Fee hingerissen. Denn nur Zauberwesen können diese Melodie hören, also muss der Fuchs doch ihresgleichen sein! Auch dem Fuchs gefällt die Vorstellung etwas Besonderes zu sein und er beschließt, für immer bei der kleine Fee zu bleiben. Doch das Glück der beiden währt nicht lange. Sehr schnell stellt sich heraus, dass der Fuchs erwartet, dass die Fee nun ausschließlich für ihn da ist. Obwohl sie anfangs versucht, seine Erwartungen zu erfüllen, muss sie sich doch eingestehen, dass er vielleicht doch nicht das Zauberwesen ist, für das sie ihn gehalten hat. Als sie ihn eines Tages darauf anspricht, ist er zutiefst gekränkt und verlässt sie.

Falsche Erwartungen – der Grund für alle Enttäuschungen

Bestimmt kennen Sie solche Beziehungen in der einen oder anderen Form. Dabei gibt es durchaus auch männliche Feen und weibliche Füchse. Die Rollen zwischen den beiden ungleichen Wesen sind von Anfang an klar verteilt. Die kleine Fee nimmt die Heilerrolle ein, denn sie glaubt, der Fuchs sei verletzt und bräuchte nur ein bißchen Hilfe um wieder ein heiles Zauberwesen werden. Wie sie es gewöhnt ist, stellt sie ihre eigenen Bedürfnisse zurück, um sich nur noch um ihren verletzten Freund zu kümmern. Der Fuchs wiederum fühlt sich wie der typische Krieger, der einen Knappen gefunden hat, der ihn bewundert und ihm gerne und freiwillig dient. Durch die Fee hat er nun auch Anteil an der Welt der Gefühle, die ihm wie eine wunderschöne Melodie erscheinen. Die Fee wiederum fühlt sich dadurch in ihrem Glauben bestätigt, er sei im Grunde genau wie sie.

Die perfekten Partner

Am Anfang scheinen diese Beziehungen im Himmel geschlossen zu sein. Denn beide glauben nun endlich, den perfekten Partner gefunden zu haben. Mit der Zeit aber wird die Fee ungeduldig, denn alle ihre Bemühungen, den Fuchs zu heilen, fruchten nichts. Sie beginnt daran zu zweifeln, ob er der ist, für den sie ihn gehalten hat. Der Fuchs wiederum, der sich nie unvollkommen gefühlt hat, ist entsprechend gekränkt, als die Fee ihm nun Vorwürfe macht. In seiner Vorstellung müsste sie doch glücklich sein, für ihn sorgen zu dürfen. Dass sie eigene Bedürfnisse hat, andere wichtige Beziehungen neben ihm hat, versteht er nicht. Die einzige Erklärung, die er dafür hat ist, ist, dass sie nicht die ist, für die sie sich ausgegeben hat. So wird aus der anfänglich so großen Liebe für beide eine ganz große Ent-Täuschung im wahrsten Sinn des Wortes.