Der Fuchs und die kleine Fee, Kapitel 2 – Wieder daheim

Im zweiten Kapitel kehrt die kleine Fee zurück in die Welt ihrer Kindheit. Auch wenn das Haus, das sie vor vielen Jahren verlassen hat, heruntergekommen ist, ist die kleine Fee doch froh wieder daheim zu sein. Zu lange hat sie ihre wahre Natur verleugnet, hat sie sich angepasst, um irgendwie dazuzugehören. Schnell findet sie zurück in die alten Beziehungen mit dem Wald und all seinen Wesen, doch die Begegnung mit dem Fuchs hat auch Fragen offen gelassen. Dass er sie nicht (an)-erkannt hat, obwohl sie ihm ihr wahres Wesen gezeigt hat, hat sie verunsichert und irgendwie auch neugierig gemacht.

Aber auch den Fuchs lässt der Gedanke an die kleine Fee nicht los. Irgendwas hat sie in ihm angestoßen, eine Erinnerung an bessere Zeiten. Er kehrt zurück in sein altes Revier und kommt dabei am Haus der kleinen Fee vorbei. Noch bevor er er um Einlass bitten kann, hat ihn die kleine Fee schon gesehen und bittet ihn herein. Doch das Mißtrauen des Fuchses ist zu groß, unwirsch lehnt er ab und verschwindet im Wald. Die kleine Fee bleibt erstaunt zurück, denn sie weiß nicht, was sie ihm getan hat.

Sich auf sich selbst besinnen

Bei unseren beiden Charakteren ist diese erste Zeit, in der sie sich immer mal wieder über den Weg laufen, die erste Phase, die jeden Veränderungsprozess kennzeichnet. Etwas hat sich verändert, aber man weiß noch nicht so genau, was es ist. Meistens glaubt man nicht, dass man sich verändern müsste, oder man hofft, durch die Herstellung eines früheren Zustandes sei alles wieder gut. In meinem Märchen hat die Tatsache, dass der Krieg zu Ende ist, für alle Lebewesen neue Möglichkeiten eröffnet. Aber so recht hat noch keiner verstanden, was sich nun daraus entwickeln wird. Und so sucht jeder nach Möglichkeiten irgendwie an das Leben vor dem Krieg anzuknüpfen.
Die kleine Fee versucht, durch die Rückkehr in ihre alten kindlichen Verhaltensmuster den früheren paradiesischen Zustand wiederherzustellen, obwohl sich durch die lange Zeit des Krieges und den Tod der Mutter die Situation grundlegend geändert hat.

Dem Fuchs fällt es deutlich schwerer, sich wieder in der Welt seiner Kindheit zurechtzufinden. Sein Überlebensmechanismus, stets den Überlegenen zu geben, war in der Zeit des Krieges wesentlich erfolgreicher als die Taktik der kleinen Fee, sich möglichst unsichtbar zu machen. Trotzdem wird deutlich, dass auch er den Wind der Veränderung zu spüren beginnt.

Andere Menschen verkörpern ein Problem für uns

Wenn wir in eine schwierige Beziehung schlittern, schieben wir die Schuld nur allzu gerne auf den anderen. Wir glauben, er hätte uns getäuscht, würde uns ausnutzen oder ungerecht behandeln. Aber wir wären mit diesem Menschen nicht in Beziehung getreten, wenn wir selber das nicht bewußt oder unbewußt herbeigeführt hätten. Falls Sie schon einmal an einer Familienaufstellung teilgenommen haben, kennen Sie das Phänomen, dass andere Menschen stellvertretend für einen Aspekt oder ein Problem stehen können. Ganz ähnlich funktioniert das auch im richtigen Leben. Ob winzigste elektrische Impulse diesem Phänomen zugrund liegen, darüber kann man spekulieren. Wenn Sie später zurückblicken, werden Sie jedenfalls erkennen, dass dieser scheinbar so schwierige Mensch all Ihre bisherigen Verhaltensmuster oder Probleme verkörpert. Das muss nicht unbedingt ein Lebenspartner sein, das kann auch ein Freund, eine Freundin, ein Nachbar, ein Vorgesetzter, eine Chefin sein. Es kann jemand sein, den Sie lieben oder jemand, den Sie hassen.

Deshalb, wann immer Sie merken, dass Sie sich an jemandem zu reiben beginnen, fragen Sie immer zuerst sich selbst: was will mir dieser Mensch über mich und meine Art, mich in dieser Welt zu bewegen, sagen? Mein in vielen Jahren erprobter Trick ist hier die Methode des Platzhalters. Vielleicht brauchen Sie am Anfang jemanden der Sie anleitet, aber wenn Sie ein bißchen experimentierfreudig sind, probieren Sie es einfach mal aus. Nehmen Sie zwei Stühle und weisen Sie einen davon sich, den anderen der „schwierigen“ Person in ihrem Leben zu. Setzen Sie sich dann abwechselnd in die beiden Personen und sprechen Sie aus, oder schreiben Sie auf, was Ihnen an der jeweiligen Position in den Sinn kommt. Dieses „in den Schuhen des anderen zu Laufen“ kann sehr, sehr hilfreich sein. Sie überprüfen damit nicht nur ihre (vielleicht) falschen Erwartungen, sondern erleben auch „am eigenen Leib“, wie der andere sich in ihrer Gegenwart fühlt. Denn die allermeisten Reibungen sind Missverständnisse, vorauseilende Verurteilungen oder andere hinderliche Reaktionen.

So wie das in meinem Märchen die zwei Hauptpersonen mitten hinein führt in die Krise.