Der Fuchs und die kleine Fee, Kapitel 11 – Das Elfenkind

Auf dem Weg zum Ausgang trifft der Fuchs zu guter Letzt noch auf eine kleine Elfe, die sich hier versteckt hält. Sie hat Angst von ihren Eltern geschimpft zu werden, weil sie etwas Verbotenes getan hat. Im Gespräch mit dem Fuchs versucht sie zuerst, ihren Fehler zu vertuschen und, als das nicht funktioniert, ihm Schuldgefühle zu machen. Aber der Fuchs hat auf seinem langen Weg auch die Lüge und die Feigheit kennengelernt und weiß, dass man sie nur mit der Wahrheit besänftigen kann. Er stellt die kleine Elfe vor die Wahl, in der Höhle zu bleiben und sich selber einzureden, dass sie keine Schuld träfe, oder mit ihm mitzukommen und sich zur Wahrheit zu bekennen. Schmollend, aber doch ganz froh nimmt die kleine Elfe seine Hilfe an und die beiden machen sich zusammen auf den Weg hinaus.

Emotionale Erpressung schürt unsere tiefsten existenziellen Ängste

Wie so viele Menschen, die einen Fehler gemacht haben,  versucht die kleine Elfe zunächst sich herauszureden und – als das nicht funktioniert – den Spieß umzudrehen den Fuchs zu beschuldigen. Emotionale Erpressung ist ein äußerst wirksames Mittel, um bei kleinen Kindern Gehorsam zu erzwingen. „Wenn du nicht tust, was ich dir sage, hab ich dich nicht mehr lieb“. Das heißt im Klartext für das Kind, dass es seine Versorger verliert, wenn es nicht tut, was von ihm erwartet wird. Da die Angst vor dem Verlassenwerden aber für uns Menschen einer der wichtigsten Stressoren ist, weil wir als Kinder nicht ohne die anderen überleben können, tun wir als Kind in der Regel alles, um dieses Gefühl zu vermeiden. Auch wenn wir längst erwachsen sind, lassen wir uns davon unter Druck setzen. Die Situationen ändern sich vielleicht, so sind es jetzt Vorgesetzte, Lebenspartner, Freunde aber auch die „Feinde“, die jetzt tatsächlich oder vermeintlich diese Existenzangst schüren. Aber die Angst ist die gleiche wie als Kind. Und da wir selber wissen, wie heftig diese Angst in uns wühlt, wissen wir natürlich auch, was sie in anderen anrichten kann.

Lügen ist in einer Kriegsgesellschaft ein Überlebensvorteil

In einer Gesellschaft, die auf Macht und Gewalt basiert, ist Lügen ohne Frage ein Überlebensvorteil. Wenn man harte Strafen fürchten muss, weil man einen Fehler gemacht hat, lernt man nicht, zu seinen Fehlern zu stehen und daraus zu lernen. Man lernt zu heucheln, zu manipulieren und zu lügen. Dass in einer zwischenmenschlichen Beziehung so kein Vertrauen entstehen kann, ist den meisten Menschen zwar bewusst, aber weil die kindlichen Verhaltensmuster so tief in uns verankert sind, fällt es uns oft sehr schwer, mit unserem erwachsenen Anteil dagegenzuhalten und unsere alten Ängste zu beruhigen.

Die Wahrheit schafft Vertrauen, vor allem in unsere eigenen Fähigkeiten

Als Erwachsene müssen wir dann meist mühsam lernen, zu unserer eigenen Wahrheit zu stehen. Genauso oft, wie wir als Kinder gelernt haben, den anderen nachzugeben, müssen wir nun lernen auszusprechen, was wir wirklich denken. Genauso oft, wie wir gelernt haben, anderen zu schmeicheln, um versorgt zu werden, müssen wir nun erleben, dass wir das nicht tun müssen, weil wir uns selber versorgen können.  Die Wahrheit zu sprechen, auch wenn wir wissen, dass andere uns dann nicht mehr mögen oder in irgendeiner Form bestrafen, ist die einzige Möglichkeit, wie wir die Lüge und die Feigheit besiegen können.

Friedliche Beziehungen und Gesellschaften können nur mit Vertrauen funktionieren

Wenn wir als Menschheit überleben wollen, wird es in Zukunft essentiell sein, dass in unseren Beziehungen und unserer Gesellschaft Vertrauen die Basis für das Zusammenleben ist. Wenn Sie sich eine Vorstellung von so einem Leben machen möchten, empfehle ich Ihnen sehr, das Buch von Jane Lidloff „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück. Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit.“ zu lesen. Dort beschreibt sie sehr berührend, dass es tatsächlich schon menschliche Gemeinschaften gibt, die so funktionieren. Aber auch in unserer eigenen Welt gibt es viele, viele Ansätze, die in diese Richtung gehen. Aber da Evolution sehr langsam funktioniert, sicherlich noch dauern, bis dieses Verhalten sich in unseren Genen verfestigt hat.